Was macht ihr denn jetzt?
Dezember 2020

Wir haben die Galerieräume nach reiflichen Überlegungen zum 30. November 2020 aufgegeben. Mit dieser Entscheidung sind wir auf viel Bedauern und Entsetzen gestoßen. Man werde unsere Arbeit, unseren Umgang mit der Kunst und den Künstler*innen, unsere Ausstellungen, unser Engagement vermissen. Es hat sehr gutgetan, dies von verschiedensten Stellen zu hören, besonders über den Tagesspiegel-Artikel von Matthias Reichelt und den Beitrag im rbb-Kulturradio von Michaela Gericke zum Abschluss haben wir uns riesig gefreut.

Doch über allen Gesprächen schwebte mal mehr mal weniger deutlich die Frage: Was macht ihr denn jetzt? Aus tiefer Überzeugung haben wir versucht darzulegen, dass wir weiterhin aktiv bleiben, dass wir nicht nur aufgrund der Corona-Lage, sondern ebenso wegen der seit langem schwierigen Situation mittelständischer Galerien neue Wege gehen wollen. Dafür benötigen wir etwas Zeit für eine Kreativpause. Viele Künstler*innen nutzen die Zeit, in der Ausstellungen ausfallen, verschoben werden, um nun mit weniger Terminverpflichtungen, in Ruhe im Atelier zu arbeiten, neue Dinge auszuprobieren, fern von Ausstellungsdruck wieder nah am Eigentlichen zu sein. Wir Galeristen sind doch neben Kaufmann, Manager, Seelentröster, Handwerker etc. auch Künstler. Es ist uns ebenso zuzutrauen, dass wir Neues entwickeln, wenn der tägliche Druck von Administration und Finanzierung des Galerieapparats gebannt ist.

Wie wäre es z.B. mit diesem Konzept: ein Bauchladen voller Kunst im Kleinformat. Ein entsprechendes Modell in Anlehnung an die Bratwurstverkäufer am Alexanderplatz, doch mit einigen zusätzlichen Finessen ausgestattet, ist zum Bau für C&K in Auftrag gegeben. Damit spaziere ich Dienstag und Mittwoch von 12-19 Uhr am Kulturforum entlang, wenn es denn wieder geöffnet hat. Da nicht mehr die Jüngste, setze ich mich ab und zu auf die Treppenstufen, den Bauchladen sicher daneben positioniert. Wie gehabt, versuche ich mit den Menschen über Kunst zu kommunizieren. Natürlich gehen wir mit der Zeit, unser Bauchladen enthält ein integriertes I-Pad, von dem wir per Abbildung, natürlich 3-D und was es sonst noch so gibt, großformatigere Kunst direkt vom Bildschirm verkaufen. Die bargeldlose Bezahlung vor Ort und der entsprechende Verkauf werden online direkt an unseren Logistiker weitergeleitet, so dass die entsprechende Lieferung noch am gleichen Tag erfolgen kann. Donnerstag und Freitag übernimmt Karin. Sie wird die Verkäufe auf dem Areal des Humboldt Forums ankurbeln und nicht nur die auserwählten Stücke aus dem Bauchladen mit Verve erläutern, sondern nebenbei einige wertvolle kunsthistorische Hinweise zum Areal in petto haben. Sonnabends wechseln wir uns wie gehabt ab, wo wir uns an diesem Tag einfinden werden, bleibt noch geheim.
Zum Gallery Weekend 2021 werden Sie uns beide am Kurfürstendamm/Ecke Wielandstraße finden, wo schon einst Jeanne Mammen mit ihrem Bücherroller „Zur lächelnden Berolina“ Bücher und Grafik verkauft hat. (Stadtmuseum Berlin – Sammlung Online) Ob wir das „gut und billig“ Mammens übernehmen oder besser durch Rankingplatznennung namhafter Online-Portale und Erwähnung sensationeller Auktionsergebnisse ersetzen, ist in der Strategieplanung noch nicht final entschieden. Im Sinne der Partizipation werden wir im Frühjahr 2021 einen Wettbewerb starten, bei dem wir einen Namen für unseren Bauchladen suchen. Alle von 6–106 Jahren dürfen mitmachen und das originellste Label wird mit einem Bild prämiert. Wir wünschen uns dann noch, dass uns und unseren Bauchladen ein*e Künstler*in zeichnet, vielleicht Matthias Beckmann? Zu gerne würden wir diese Skizze irgendwann ebenso wie Mammens Bücherroller-Illustration im Stadtmuseum sehen, Hamburger Bahnhof ist uns auch recht.
Ob dies bis dahin ein kurzer oder langer Weg sein wird, entscheiden alle „Was macht ihr denn jetzt“-Frager mit.