AArtist in Residence Programm
Januar 2017

AArtist in Residence – Ein Programm des Auswärtigen Amts (AA) in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Berliner Galerien (lvbg)

Im Rahmen dieses einzigartigen und vorbildlichen Programms wird drei Künstlern im Jahr die Möglichkeit gegeben, im obersten Stockwerk des Auswärtigen Amts Berlin in einem extra hierfür zur Verfügung gestellten Dach-Studio in Ruhe zu arbeiten und spezielle Projekte zu realisieren. Die Kulturpolitik des Auswärtigen Amts möchte ihr Anliegen, Kulturen zu vernetzen, Dialog und Verständigung zu fördern, u.a. durch diese Initiative vorantreiben.

Wie wichtig dies selbst in dem liberalen Berlin ist, wird mir bei einer Sonderführung eines der Stipendiaten deutlich. Ahmed Kamel stellt seine Arbeiten vor, spricht von seiner Beschäftigung mit Identität und deren Auslöschung. Er spricht über die präsentierte Schwarz-Weiß-Leinwandarbeit, die er in arabischer Schrift mit einem persönlichen Text beschrieben hat, wobei er dann jedes zweite Wort mit weißer Farbe durchstreicht. Der Text ist nicht mehr entzifferbar. Ähnliches hat er mit seinen Tagebüchern vor, die er auslöschen will, indem er sie zu einem Objekt umformt. „Ungeschehen“ heißt diese Arbeitsreihe, in der er grundlegende menschliche Sehnsüchte und Hoffnungen reflektiert. Er arbeitet ganz Zeitgenosse multimedial und konzeptionell und gibt seine Erklärungen in einer mittlerweile globalen Sprache der Kunst ab.
Als das Publikum Fragen stellen kann betretenes Schweigen, nur eine einzige Frage kommt auf:
Sie kommen aus einem muslimischen Land, spielt Religion eine Rolle in Ihren Arbeiten? Ich falle fast um. Wie sehr haben sich da die undifferenzierten und teilweise populistischen Sichtweisen hinsichtlich der Flüchtlingspolitik und die Schwarz-Weiß-Muster hinsichtlich der muslimischen Religion schon in die Köpfe gebohrt?
Es gab in der gesamten Vorstellung seiner Sichtweisen oder konkret in den präsentierten Arbeiten nicht das geringste Anzeichen für eine Beschäftigung mit religiösen Themen bei diesem Künstler.
Wäre er ein Däne oder Amerikaner, niemals hätte der Besucher diese Frage nach der Religion gestellt.

Auf die Terrasse heraustretend entfaltet sich die Weite der Stadt.