Crowdfunding für Galerien?
Mai 2018

Crowdfunding für Galerien?

Statistiken, wie schlecht es der Mehrzahl der Künstler geht, die zum überwiegenden Teil nicht von ihrer Kunst leben können, liest man alljährlich wieder. Nun geraten auch kleine und mittelständische Galerien, die weit abgeschlagen von den Globalplayern, agieren und um ihr Geschäft kämpfen, immer mehr in den Fokus der Diskussion und der journalistischen Beachtung. So berichtete Christiane Meixner in der ZEIT N° 19 vom 19. April 2018, S. 31 unter der Überschrift: „Warum brauchen Galerien Spenden?“ über Crowdfunding, das eine anerkannte New Yorker Galerie initiierte, um zu überleben und damit auch den Künstlern aus ihrem Programm, die Existenz zu sichern. Ein „Become a patron“ blinkt farbig, wenn man die Website öffnet.
Als ich an einem Samstag in der Galerie sitze und mich über den ersten Besucher freue, der die Galerie betritt, ihn freundlich grüße, konfrontiert er mich umgehend mit der Frage: „Ich bin Bildhauer, mache 8 m hohe Skulpturen, möchten sie für meine Arbeiten spenden?“ Den Euro für den Motzverkäufer für meine alltäglichen S- und U-Bahnfahrten habe ich mittlerweile fast immer parat, Scheine für arme Künstler, die die Galerie betreten, noch nicht. Da muss ich mich erst beim Crowdfunding anmelden. Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbandes Berliner Galerien, bestätigt in einem anderen ZEIT-Artikel (N°20 vom 19.5.2018 , S. 32 „Einsame Gestalten“ von Clemens Bomsdorf), die Tendenz, dass Sammler heute mit Kunst Rendite erwirtschaften wollen. Sie kaufen keine Arbeiten von Künstlern, die am Beginn ihrer Karriere stehen oder sogar auf eine solide Biografie zurückschauen können, sie wollen Bluechips, die sie morgen weiterverkaufen oder in eine Auktion geben können. Nach eigenen Geschmacks- und Qualitätsurteilen richten sie sich nicht. Wie wäre es, wenn sie ihre Renditen wenigstens in mittelständischen Galerien ausgeben würden, einfach aus Freude an der Kunst oder als Unterstützungsmaßnahme? David Zwirner bietet an, auf internationalen Messen eine höhere Standmiete zu zahlen, damit kleinere Galerien dafür weniger zahlen und sich so eine Messeteilnahme leisten können. Ob sich das realisieren wird?
Der Wunsch nach einer Solidargemeinschaft ist also auch im Kunstbereich vorhanden, ein gesichertes Grundeinkommen würde es vielleicht dem einen oder anderen Idealisten in der Galerienszene ermöglichen, weiter zu machen. Die Diskussion darum, wie man die immer weiter auseinander driftende Schere beheben kann,  ist jedenfalls auch im Kunstmarkt eröffnet. Es gibt viel zu tun, denn der auf spendensuchende Bildhauer blieb der einzige Besucher an diesem Sonnabend.