{"id":7614,"date":"2019-08-12T11:41:03","date_gmt":"2019-08-12T09:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/cundkgalerie.de\/?p=7614\/"},"modified":"2021-03-18T17:27:45","modified_gmt":"2021-03-18T16:27:45","slug":"die-neue-achtsamkeitaugust-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/die-neue-achtsamkeitaugust-2019\/","title":{"rendered":"DIE NEUE ACHTSAMKEIT<br>AUGUST 2019"},"content":{"rendered":"<p>Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind zu Modew\u00f6rtern geworden, die einem \u00fcberall begegnen, als m\u00fcssten wir beides als ethisch korrekt handelnde Menschen nur h\u00e4ufig gut genug sagen oder schreiben, um es damit auch zu sein. Dies scheint zu einem Distinktionsmerkmal einer Klasse von besonderen Gutmenschen zu werden, was mich bereits stutzig macht: Sie sind die Unachtsamen, wir sind die Achtsamen, also die besseren Menschen.<br \/>\nAchtsam mit sich selbst, den Mitmenschen, der Natur zu sein, ist eine nie endende t\u00e4gliche Aufgabe, die nicht nur davon abh\u00e4ngt, ob wir jeden Tag vegan essen. Aber so einfach scheint das alles nicht zu sein und eine Vielfalt von neuen Gesch\u00e4ftsfeldern bietet sich an, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit zu erlernen. Angefangen bei den unz\u00e4hligen Yogastudios. Nicht, dass ich etwas gegen Yoga h\u00e4tte, im Gegenteil, ich praktiziere es selbst seit vielen Jahren, aber es geht mir dabei um k\u00f6rperliche und seelische Gesundheit, nicht um Etiketten. Denn es f\u00e4ngt schon damit an, dass wir uns zwischen Luna-Yoga, Akro-Yoga, Lach-Yoga, Forrest-Yoga und vielem anderen entscheiden sollen. Will ich jetzt lieber dem Wald oder dem Mond n\u00e4her kommen?<br \/>\nAls ich vor einer Weile mit Freunden durch den Wald wanderte, kam uns eine kleine Gruppe mit zwei Eseln entgegen. Ich war ziemlich entgeistert, aber einer meiner Freunde kl\u00e4rte mich auf, dass es organisierte Wanderungen mit Eseln g\u00e4be, von denen man die Entschleunigung wieder lernen sollte. Noch so ein Wort, das zum Gutmenschen geh\u00f6rt. Wir bekommen das auch ohne Esel hin, den Wald zu genie\u00dfen und die Seele baumeln zu lassen. Ich liebe Esel, aber sie am Strick durch den Wald zu f\u00fchren, um mein Managertempo abzulegen, erschien mir wie ein Missbrauch dieser f\u00fcr ihre Eigenwilligkeit bekannten Tiere. Ich las dazu sp\u00e4ter im Netz nach. Unter dem Stichwort \u201eEseltrekking\u201c s\u00e4uselte es nur so von Innehalten, Natur gemeinsam genie\u00dfen etc.<br \/>\nSchon h\u00e4ufiger musste ich mir die Reiseberichte von Ayurveda-Kuren nach Indien oder Sri-Lanka anh\u00f6ren. Mit stolz geschwollener Brust wurde erz\u00e4hlt, man habe zwei Wochen keinen Alkohol getrunken, sich komplett entgiftet. Die ersten wieder auf Facebook oder Instagram geposteten Fotos zeigten dann allerdings die offenen Champagnerflaschen auf dem R\u00fcckflug in der First Class. Auch das erscheint mir ziemlich wohlstandsdegeneriert.<br \/>\nNun kommt das Ganze selbst in der Kunstbranche an: Ich las k\u00fcrzlich einen Artikel \u00fcber art &#038; mindfulness, Untertitel \u201eEin Workshop im \u201ame Collectors Room\u2018 soll Achtsamkeit wecken. (1) Auch das nat\u00fcrlich sehr ehrenwert, wir lernen behutsam wieder Kunst zu sehen, wahrzunehmen  und zahlen vermutlich f\u00fcr so einen Workshop viel Geld. Wirklich wundern tut es mich allerdings nicht, wenn man sich bei Museumsbesuchen umschaut, sieht man die Besucher nur noch mit Audioguide oder Handy in der Hand. Das Display wird zur Wahrnehmungsschablone, nicht mehr das Original. Ich freue mich, wenn ich nach Hause komme und auf die schrundige zersetzte Fl\u00e4che des Papstgesichts von Cornelia Schleime in meinem Wohnzimmer schaue. Die Balance von Leid und Hoffnung dieses Bildes k\u00f6nnen mich bis heute ber\u00fchren, tr\u00f6sten und nachdenklich machen. Ich scheine damit Einiges an Geld zu sparen.<br \/>\nWenn das mit dem schwierig gewordenen Galeriegesch\u00e4ft gar nicht mehr laufen sollte, denke ich mir einfach neue Workshops aus: \u201eVeganes Grasen mit Wasserb\u00fcffeln in Nordkenia\u201c. <\/p>\n<p>Christiane B\u00fchling<\/p>\n<p>(1)\tDer Tagesspiegel, Stadtleben, 5.8.2019. S. 9, \u201eAugen schlie\u00dfen f\u00fcr die Kunst\u201c von Antonia M\u00e4rzhauser <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind zu Modew\u00f6rtern geworden, die einem \u00fcberall begegnen, als m\u00fcssten wir beides als ethisch korrekt handelnde Menschen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-7614","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7614","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7614"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10465,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7614\/revisions\/10465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}