{"id":5452,"date":"2018-05-04T13:45:33","date_gmt":"2018-05-04T11:45:33","guid":{"rendered":"https:\/\/cundkgalerie.de\/?p=5452\/"},"modified":"2021-03-18T17:34:05","modified_gmt":"2021-03-18T16:34:05","slug":"connecting-connecting-connectingmai-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/connecting-connecting-connectingmai-2018\/","title":{"rendered":"Connecting, connecting, connecting<br>Mai 2018<br>"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gallery Weekend<\/strong><\/p>\n<p>Ngorongoro muss man gesehen haben, wenn man in dieser Stadt lebt und mit Kunst zu tun hat. Ich f\u00fcge mich und gehe am Freitagvormittag auf das Gel\u00e4nde, kein Gedr\u00e4nge, alles noch ganz entspannt. Der erste Raum, den ich betrete ist ein Videoraum mit vier Projektionen, die ersten Worte, die ich h\u00f6re von zwei l\u00e4ssigen Typen mit Getr\u00e4nk in der Hand: \u201eThis guy was at the Biennale in\u2026\u201c. Sie bleiben ca. 30 Sekunden in diesem Raum. Das Entscheidende ist wohl gesagt. Auch gesehen? Als ich wenig sp\u00e4ter ein Video von Shirin Neshat ansehe, kommen dieselben Herren hinzu, ich schnappe wieder nur die Worte auf: \u201eThis was in Venice\u2026\u201c, dieses Mal verweilen sie maximal 15 Sekunden. Warum sitze ich eigentlich auf dem schwarzen Ledersofa und schaue mir das an? Ebenso schleierhaft bleibt mir die Beobachtung, wie viele Leute, gerade auch junge Frauen, Fotos von einem Bild von David Nicholson machen, einer Frau, die sich auf dem Sofa r\u00e4kelt und unter ihrem Rock ihre Hand zwischen ihre Beine legt. Bei keinem anderen Kunstwerk sehe ich w\u00e4hrend meines Rundganges mehrere Leute gleichzeitig dasselbe Motiv fotografieren. Wird der eigene Voyeurismus dann auf Instagram gepostet?<br \/>\nEine Herausforderung sind die Zettel mit den Raumskizzen und den handgeschriebenen K\u00fcnstlernamen an den entsprechenden Positionen. Ein Mann, der ebenso besagtes Bild fotografiert hat, versucht hektisch die entsprechenden Namen auf seinen Display zu bekommen, \u201eWer hat sich denn diese Zettel ausgedacht?\u201c fragt er. Ich freue mich nur, dass andere sich genauso schwer tun wie ich. So versuche ich im n\u00e4chsten Raum, in dem besonders viele Arbeiten pr\u00e4sentiert werden, auch viele skulpturale, mir einen Bezugspunkt auf dem Plan zu suchen, anhand dem ich mich weiter hangeln kann, um dem einen oder anderen Sch\u00f6pfernamen auf die Spur zu kommen. Da ist ein liegendes Laufrad, vor dem drei leere Flaschen mit rosafarbenem Strohhalm drapiert sind, ich suche die Position als Anhaltspunkt auf der Raumskizze. Da sehe ich pl\u00f6tzlich eine Frau das Rad und die Flaschen wegnehmen, ich bin tats\u00e4chlich richtig auf die Schnauze geflogen, und das war kein Statement zur Prenzlauer Berg Szene. Vielleicht sollte ich es sein lassen, die Namen der Urheber erfahren zu wollen kunsttauglich bin ich offenbar sowieso nicht. Au\u00dferdem geht es hier nicht um Selbstdarstellung. Ob das f\u00fcr den Hipster an der Getr\u00e4nketheke ebenso gilt? Er bedient mit coolen Spr\u00fcchen \u201esolls\u2018te haben, \u201ef\u00fcr den einschl\u00e4gigen Kreis\u201c. Sch\u00f6n gesagt, aber daf\u00fcr ist der Cappuccino kalt. Lieber Pimm\u2018s trinken wie der coole Typ neben mir, der dann auch noch f\u00fcr zwei georderte Pimm\u2018s ein sattes Trinkgeld von 5\u20ac hinterl\u00e4sst. Warum ein de Chirico zwischen all den angesagten Newcomern oder zuk\u00fcnftigen Gr\u00f6\u00dfen h\u00e4ngt, erschlie\u00dft sich mir nicht, soll es wahrscheinlich auch gar nicht.<br \/>\nDas erste, was mich ber\u00fchrt und verweilen l\u00e4sst, ist ein kleines Foto mit einem Jungen von hinten am Schreibtisch sitzend, es h\u00e4ngt sehr intim in einem schmalen dunklen Treppenaufgang in einem noch nicht renovierten Geb\u00e4ude. In diesem Fall m\u00f6chte ich doch wissen, von wem es ist, scheitere erneut mit den Pl\u00e4nen und frage eine der Guides. Sie erkl\u00e4rt mir, dass der Name nicht auf dem Plan sei und sie ihn leider auch nicht wisse. Ich will das Gel\u00e4nde nach dem Raum mit dem blinkendem Herzen mit Liebespfeil verlassen, da mir Las Vegas Get\u00f6se nicht liegt, da stelle ich fest, dass ich ein Haus am Anfang noch nicht gesehen habe. \u201eCan you see that? Can you see that? Can you see that?\u201d, begr\u00fc\u00dft mich eine Computer gesteuerte Stimme. Ein Video von Bj\u00f8rn Melhus: Auf grafischen Mustern in Bonbonfarben steht und bewegt er sich als Computerfigur und wiederholt die wichtigsten Stichpunkte zum Kunstmarkt in einem ironisch-technoiden Stakkato. Dabei ver\u00e4ndern sich die grafischen Muster und Strukturen und ihre Farben. \u201eI can change the color, the color, the color. ..Gosh, I\u2019 m an artist\u201d. Mir scheint, er spitze bei Vernissagen, K\u00fcnstlergespr\u00e4chen und Kunstevents die Ohren, um festzuhalten, was das kunstaffine Publikum der Flaschenhalter so beim Schlendern f\u00fcr Halbs\u00e4tze abwirft: \u201eIt\u2019s impressive, impressive\u2026\u201c Das Rezept f\u00fcr K\u00fcnstler, Kuratoren, K\u00e4ufer, Verk\u00e4ufer: \u201cConnecting, connecting, connecting.\u201d<br \/>\nMelhus hat\u2019s geschafft, meine attitude hat sich ver\u00e4ndert: Ich gehe schmunzelnd vom Gel\u00e4nde.<br \/>\nDer Blick in den Tagesspiegel mit einer Ausstellungsbesprechung \u00fcber Ngorongoro macht mich am n\u00e4chsten Tag wieder etwas ratlos. Der erste Satz: \u201eEine Ausstellung wie Disneyland: Es gibt Attraktionen ohne Ende.\u201c (Birgit Rieger, \u201eLob des Netzwerks\u201c in: Der Tagesspiegel, 28.4.2018, Kunst &amp; Markt, S. 26) Ist das der Zustand der Kunstwelt, eine Kritik, eine Auszeichnung?<\/p>\n<p>Christiane B\u00fchling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gallery Weekend Ngorongoro muss man gesehen haben, wenn man in dieser Stadt lebt und mit Kunst zu tun hat. 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