{"id":3274,"date":"2017-03-05T19:24:28","date_gmt":"2017-03-05T18:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/cundkgalerie.de\/txm\/?p=3274"},"modified":"2021-03-18T17:40:00","modified_gmt":"2021-03-18T16:40:00","slug":"dezember-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/dezember-2016\/","title":{"rendered":"Brauchen wir die Sch\u00f6nheit?<br>Dezember 2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Angelika Arendts Ausstellung &#8220;One Moment in Time&#8221; oder brauchen wir die Sch\u00f6nheit?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein sch\u00f6nes Privileg des Galeristenberufes, sich im Verlauf einer Ausstellung \u00fcber Wochen immer wieder mit den pr\u00e4sentierten Arbeiten zu besch\u00e4ftigen, neue Blickwinkel im Gespr\u00e4ch mit Besuchern zu entdecken oder im intensiven Austausch mit den K\u00fcnstlern Einblicke zu bekommen, die das Verst\u00e4ndnis vertiefen und erweitern. F\u00fcr die Er\u00f6ffnungsworte muss man sich positionieren und im Verlauf der Ausstellungen mit den Besuchern, Sammlern und gef\u00fchrten Gruppen Rede und Antwort stehen, sich mit ihnen \u00fcber die Werke auseinandersetzen, andere oder erg\u00e4nzende Sichtweisen k\u00f6nnen sich dann ergeben.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Manches, was man im t\u00e4glichen Leben in dieser Zeit sieht, wahrnimmt, erlebt oder liest, kann neue Erkenntnisse und Zusammenh\u00e4nge oder Best\u00e4tigungen hervorbringen.<br \/>\nSo ist das Thema der Sch\u00f6nheit der Skulpturen und Zeichnungen von Angelika Arendt ein entscheidendes Gespr\u00e4chsthema im Verlauf der Ausstellung. Man sp\u00fcrt, dass viele Besucher freudig \u00fcberrascht sind und strahlende Augen bekommen, wenn sie sich f\u00f6rmlich mit den Augen in die Arbeiten knien. Eine junge Naturwissenschaftlerin, die die Werke von Angelika Arendt bisher nicht kannte somit \u00fcber keinerlei Vorwissen verf\u00fcgte, stellt aus ihrer Intuition heraus fest, dass sie sich beim Betrachten der Werke an ihre Arbeit unter dem Mikroskop erinnere und dasselbe Gef\u00fchl der \u00dcberw\u00e4ltigung sp\u00fcre, wie wenn sie die Mikrokosmen auf ihrer Petrischale bestaune.<br \/>\nEs geht somit nicht um eine Sch\u00f6nheit, die Glattes schnell konsumiert, sondern um ein Eindringen in die Tiefe von organischen Strukturen, die uns in das Geheimnis des Lebens f\u00fchren. \u201eDas Sch\u00f6ne ist das Verbindliche. Es stiftet Dauer. Nicht zuf\u00e4llig ist das \u2018Sch\u00f6ne an sich\u2018 bei Platon \u2018ewig seiend\u2018 (aei on).\u201c So schreibt es Byung-Chul Han in seinem Buch \u201eDie Errettung der Sch\u00f6nheit\u201c, (Frankfurt a. M. 2015, S. 96). Etwas unphilosophischer dr\u00fcckt der Ausstellungstitel \u201eOne Moment in Time\u201c, einem Songtitel von Whitney Houston entlehnt, genau dies aus.<br \/>\nAls ich durch Zufall in einem Newsletter von artnet auf ein Interview mit Gerhard Richter sto\u00dfe, in dessen \u00dcberschrift es eigentlich um \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Merkels Fl\u00fcchtlingspolitik geht, staune ich, dass die Sch\u00f6nheit ebenso ein Thema in diesem vom Kurator Anders Kold gef\u00fchrten Gespr\u00e4ch ist.<br \/>\n\u201eSch\u00f6nheit ist nicht angesagt, sie wird diffamiert, wir brauchen Unterhaltung\u201c sagt Richter hier in seiner lapidaren Art. Er geht sogar noch weiter und stellt fest, dass wir keinen Trost br\u00e4uchten und wollten. Eigentlich ist das bei der Betrachtung der Weltlage oder mancher pers\u00f6nlichen Schicksale um uns herum v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Indirekt stellt er hiermit einen Zusammenhang von Sch\u00f6nheit und Trost her, und genau diese Schnittstelle scheint mir aus den Zeichnungen und Skulpturen von Angelika Arendt zu sprechen. Sch\u00f6nheit ist nicht das heile Welt Gef\u00fchl, sondern das Sichtbar- und Aufmerksam machen auf das Verborgene, das trotz aller Zerrissenheit da ist. Nur etwas Zeit und Ruhe muss man sich daf\u00fcr nehmen. Wie gerne Menschen sich auf diese Entdeckung und vielleicht auf diesen Trost einlassen, hat die Ausstellung gezeigt, Dank des Mutes der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Christiane B\u00fchling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angelika Arendts Ausstellung &#8220;One Moment in Time&#8221; oder brauchen wir die Sch\u00f6nheit? 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