{"id":3272,"date":"2017-03-05T19:23:44","date_gmt":"2017-03-05T18:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/cundkgalerie.de\/txm\/?p=3272"},"modified":"2021-03-18T17:40:51","modified_gmt":"2021-03-18T16:40:51","slug":"september-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/september-2016\/","title":{"rendered":"Positions und Amsterdam Drawing<br>September 2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>Positions und Amsterdam Drawing aus der pers\u00f6nlichen Sicht einer Ausstellerin<\/strong><\/p>\n<p>Berlin art week, wie immer ist die H\u00f6lle los. Die entscheidende Frage f\u00fcr all die Kunstaffinen ist, f\u00fcr welche der vielen Er\u00f6ffnungen, Dinner, Events, Ausstellungen, welche der drei Messen sie sich entscheiden. Ein Buhlen um Besucher und Interessenten, volle Mailaccounts, die unendliche Wahlm\u00f6glichkeiten bieten. F\u00fcr die meisten wird klar sein, wo sie sich sehen lassen, die Netzwerke der places to be sind stramm gekn\u00fcpft und lassen keine Zuwiderhandlungen zu.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Doch wie sieht das Ganze aus, wenn man selbst einen Messestand hat? Die Positions hat sich mittlerweile ein gutes Renommee aufgebaut, die Vorberichte sind positiv und so hei\u00dft es guten Mutes an den Start gehen. Der Vernissage-Tag ist sehr erfreulich, ein kleiner Verkauf, viele vielversprechende Gespr\u00e4che werden gef\u00fchrt.<br \/>\nEs gibt Wiederbegnungen mit Menschen aus meiner Vergangenheit, die sich in keiner Weise f\u00fcr die Kunst auf unserem Stand interessieren, \u00fcber die Vergangenheit sprechen wollen, sie wieder aufw\u00fchlen, statt sie ruhen zu lassen. Dann gibt es auch die, die man als Grafiker, Kunstvermittler, Finanzberater kannte, sie waren K\u00e4ufer oder haben kleine Kunstvereine geleitet, man hat gemeinsame Projekte realisiert. Nun nach Jahren stehen sie vor einem und verk\u00fcnden stolz: Ich bin jetzt auch K\u00fcnstler.<br \/>\nIch bin hier, damit die ausgestellten Arbeiten der K\u00fcnstler wahrgenommen werden, aber das scheint eine sehr naive Vorstellung zu sein. In erster Linie werden die Arbeiten permanent fotografiert. Was machen die Menschen mit all diesen Aufnahmen, frage ich mich. Sind es Troph\u00e4en, die man nach Hause oder wohin auch immer tr\u00e4gt? Eine Besucherin kommt zum zweiten Mal an unseren Stand, dieses Mal in Begleitung. Ihrer Begleitung zeigt sie aber nicht etwa diejenigen Arbeiten, die ihr beim ersten Rundgang aufgefallen waren, sondern sie zeigt mit den Fingern auf bestimmte Werke und kommentiert: \u201eDieses habe ich auch fotografiert\u201c. Sind sie damit geadelt, dass diese Dame sie jetzt auf dem I-Phone hat? Achtung, behalte deine Gesichtsz\u00fcge im Griff, versuche ich mir verzweifelt zu sagen.<br \/>\nAls n\u00e4chster kommt ein junger Mann, der Abbildungen aus einem Katalog fotografiert. Auf meine Frage, was er damit mache, antwortet er: \u201eDie Strichf\u00fchrung ist richtig cool. Ich lerne.\u201c Fotografieren oder zeichnen m\u00f6chte ich am liebsten fragen. Ob er wohl so einen eigenen Strich bekommt? Fr\u00fcher musste der K\u00fcnstler daf\u00fcr tage-monate-jahrelang im Atelier sitzen, immer wieder den Stift in die Hand nehmen. Scheint heute einfacher zu gehen.<br \/>\nSch\u00f6n ist es auch, die Familien mit Kleinkindern zu beobachten, die \u00fcber die Messe gehen. Eine etwa Dreij\u00e4hrige sortiert die Karten und Kataloge auf unserem Tisch von einer Seite zur anderen. Der Vater hockt sich daneben, versucht, alles wieder an seinen Platz zu legen. Sie spielen das eine ganze Weile, immer wieder werden die Karten neu durchmischt. Die an das Kind gerichtete Frage der Mutter: \u201eGehen wir weiter?\u201c, bleibt, wer h\u00e4tte das gedacht, ohne Reaktion. Ein Eingriff wie \u201eLass das mal bitte liegen\u201c w\u00e4re wohl Kindesmisshandlung gewesen.<\/p>\n<p>Ein Tag messefrei, dann geht es weiter zur Amsterdam Drawing.<br \/>\nAlles etwas gechillter hier. Noch eine \u00bd Stunde vor der VIP-Er\u00f6ffnung werden Beschriftungsfolien von der Messeleitung angebracht, es wird begonnen, die St\u00e4nde auszufegen. Aber alles komplett unaufgeregt und entspannt. Es gibt eine kleine Koje, wo sich die Aussteller den ganzen Tag mit Kaffee und Tee versorgen k\u00f6nnen, morgens gibt es Kuchen f\u00fcr alle. Und der Give-away Beutel, den jeder Aussteller zu Beginn jeder Messe bekommt, ist ebenso ungew\u00f6hnlich: Scherzartikel wie eine Gumminase neben dem Fachmagazin und dem Knabberzeug. Die Nase hebe ich auf f\u00fcr die n\u00e4chste Berliner Messe. Das Publikum hier ist wohltuend unpr\u00e4tenti\u00f6s, als w\u00fcrde jeder den Hippie in sich bewahren wollen, ob alt oder jung. Das zeigt sich auch an dem undogmatischen Kleidungsstil. Alle Farben und Stile werden wild miteinander kombiniert. Keine Konkurrenz der Handtaschenmarken bei den Frauen, keine uniformen IT-Girls, die einen auf Kunstsammlerin machen, eher ein Stelldichein des Unkomplizierten, Legeren. Das was man tr\u00e4gt und was man ist, tr\u00e4gt man nicht zur Schau, gibt sich selbstbewusst ohne Arroganz.<br \/>\nIn einem intensiven Gespr\u00e4ch \u00fcber A.R. Penck und den heutigen Kunstmarkt mit einem Niederl\u00e4nder lerne ich mein absolutes Lieblingswort im Niederl\u00e4ndischen: Kiloknaller. Auch ohne genaue Erkl\u00e4rung und \u00dcbersetzung bildet es f\u00fcr mich zun\u00e4chst nur lautmalerisch die heutigen Tendenzen in der Kunstwelt an. Dann folgt die Erkl\u00e4rung, weil dem Niederl\u00e4nder, der exzellentes deutsch spricht, keine 1:1 \u00dcbersetzung einf\u00e4llt. \u201eEs ist ein Masth\u00e4hnchen, das voller Hormone ist, um aufgebl\u00e4ht zu werden.\u201c In Gedanken trage ich schon einen Badge \u201eKiloknaller, nee bedankt\u201c, den ich f\u00fcr alle Kunstevents anstecken werde.<br \/>\nUnd so k\u00e4mpfe ich wie ein \u00d6kobauer f\u00fcr die Bioh\u00fchner in der Kunst, die sich frei auf der Wiese austoben d\u00fcrfen und gesundes Wachstum an den Tag legen.<\/p>\n<p>Christiane B\u00fchling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Positions und Amsterdam Drawing aus der pers\u00f6nlichen Sicht einer Ausstellerin Berlin art week, wie immer ist die H\u00f6lle los. Die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-3272","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3272","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3272"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10477,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3272\/revisions\/10477"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3272"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3272"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}