{"id":3256,"date":"2017-03-05T19:17:45","date_gmt":"2017-03-05T18:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/cundkgalerie.de\/txm\/?p=3256"},"modified":"2018-03-23T17:54:15","modified_gmt":"2018-03-23T16:54:15","slug":"dezember-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cundkgalerie.de\/en\/dezember-2014\/","title":{"rendered":"Lorcan O&#8217;Byrne<br>Dezember 2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lorcan O\u2019Byrne<\/strong><\/p>\n<p>Immer wieder bin ich beruhigt, dass ich mit meiner antiquiert wirkenden Kunstauffassung nicht allein da stehe. Im Tagesspiegel vom 7.Dezember wird der S\u00e4nger Thomas Quasthoff von Wolfgang Prosinger gefragt, ob die heutige S\u00e4ngergeneration anders sei als fr\u00fcher. \u201eEs fehlt oft an Mut zur Emotionalit\u00e4t. Das ist ja nicht einfach, weil es mit Loslassen zu tun hat, mit sich trauen\u2026.\u201c Das kann man nat\u00fcrlich genauso auf die Bildende Kunst und die Literatur \u00fcbertragen. Wer Schubert-Lieder interpretiert, kann nicht vom Konzept-Geist getrieben werden, er muss auch von seiner eigenen Seele geben.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Er spricht offensichtlich mit denselben Gedanken \u00fcber die Musikbranche wie Cornelia Schleime es vor einigen Tagen in einem Telefongespr\u00e4ch \u00fcber die Kunstbranche getan hat.<\/p>\n<p>Nach einem Atelierbesuch, der mich nachhaltig besch\u00e4ftigt und ber\u00fchrt, muss ich ebenfalls an Cornelias Worte denken. Sie ereiferte sich vor einer Weile in einer Diskussion \u00fcber die Besonderheit von K\u00fcnstlergesichtern, die Spuren vom Leben aufweisen m\u00fcssten. Heute habe ich das Bild daf\u00fcr: Ein rundes Gesicht mit blitzenden schalkbesessenen Augen, eine dicke Knollennase, deren vordere Rundung blau gef\u00e4rbt ist, ein tiefes Lachen und eine kleine Wampe. Im Atelier ist es kalt, wir lassen die M\u00e4ntel an. Wie mag er bei diesen Temperaturen malen, fragt man sich. Er fragt sich das mit Sicherheit nicht, ihm wird warm, wenn er im Kampf mit der Malerei steht, um Farbe und Form ringt, um das Erfassen von Licht und Schatten.<br \/>\nMit Sicherheit besitzt er auch keine Mitte-Schnabelschuhe, wenn er zur Vernissagen geht. Er sieht aus, als h\u00e4tte er nur dieses Paar ausgetretener breiter Schuhe fern jeglicher Mode. Erstaunlich, was es f\u00fcr K\u00fcnstler in den Nischen gibt, die sich fern des Champagnerbades halten, nicht im Strom schwimmen, sondern einen prallen Nebenarm mit klarem Wasser bef\u00fcllen. Seine Bildgegenst\u00e4nde findet er nicht im Computer, sondern sie stehen hier im Atelier, oll und verrumpelt: Die alte Kommode aus den 50er Jahren, die mal wei\u00df war, der vergilbte Lampenschirm, der uralte K\u00fchlschrank, der schon lange nicht mehr als solcher funktioniert. In seinen Bildern kombiniert er sie mit seinem schwarzen Laptop, in dieser Begegnung auf der Leinwand ist er zum einen Fremdk\u00f6rper, zum anderen scheint die Patina der Kommode ihm einen Hauch von W\u00e4rme und H\u00e4uslichkeit einzuhauchen. Voller Selbstironie nimmt er sich selbst auf die Schippe, aber seiner Malerei begegnet er mit hohem Respekt und gro\u00dfer Ernsthaftigkeit. Hier in seinem Atelier allein mit sich und den Kartons, die er gerade malt, trifft man einen K\u00fcnstler und Menschen, der sich nicht angepasst hat.<br \/>\nEiner, der mit Sicherheit kein Veganer ist und dessen Nasenfarbe wohl nicht von zu viel Blaubeerenkonsum stammt. Lorcan O\u2019Byrne, eine Entdeckung als Maler und K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lorcan O\u2019Byrne Immer wieder bin ich beruhigt, dass ich mit meiner antiquiert wirkenden Kunstauffassung nicht allein da stehe. 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