„RÜCKZUG UND AUFBRUCH – NEUE ARBEITEN AUS DER QUARANTÄNE“

Sonja Alhäuser, Axel Anklam, Angelika Arendt, Sabine Beyerle, Michael Kalmbach, Benedikt Richert, Niels Sievers, Nadja Schöllhammer, Roland Stratmann, Matthias Stuchtey, Roger Wardin, Filip Zorzor
 
6. Juni – 4. Juli 2020/June 6 – July 4, 2020
Vorbesichtigung anstelle einer Vernissage: Freitag, 5. Juni 2020, 17–21 Uhr
Private Preview instead of an openig: Friday, June 5, 2020, 5-9 pm
 
Öffnungszeiten: Mittwoch – Freitag, 14-18 Uhr; Samstag 12-16 Uhr u. n. V.

 

Michael Kalmbach, Familie, 2020, Gouache, Aquarell auf Papier, 80 x 150 cm

Sonja Alhäuser, Gartenquarantäne I, 2020, Aquarell, Buntstift, Bleistift auf Zeichenkarton/watercolour, colour pencil, pencil on drawing board, 17,7 x 9,5 cm
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Wie in allen Galerien und Kultureinrichtungen muss neu geplant und gedacht werden, so auch bei uns. In einer spontan zusammengestellten Gruppenausstellung zeigen wir aktuelle Arbeiten, die während des Lockdowns entstanden sind. In der Kommunikation mit den Künstler*innen in dieser Phase zeigte sich, dass sie die Möglichkeit des intensiven Rückzugs ins Atelier überwiegend positiv beurteilten. Die unmittelbaren Auswirkungen auf das künstlerische Arbeiten fallen dabei sehr unterschiedlich aus: Veränderungen des Themenspektrums, Experimente mit neuen Techniken oder kontinuierliche Fortsetzung des Bisherigen.
Die Künstler*innen beschreiben die ungewöhnliche Arbeitssituation selbst folgendermaßen:

„Ich fühle mich nicht so unter Druck, alle Aufgaben auf den Punkt fertig zu bekommen, weil alles sich nach hinten verschiebt und unverhofft Zeit freisetzt.“ (Axel Anklam)
„Ich saß viel draußen im Garten an meinem Arbeitstisch und habe die Zeit als angenehm und entschleunigend empfunden, andererseits ist der Motor meiner Arbeiten auch die Begegnung von Menschen und die Kommunikation selbst …“ (Sonja Alhäuser)
„Für mich ist das zurückgezogene Arbeiten normal … Es könnte ein fast paradiesischer Zustand sein, wären da nicht das unsägliche Leid, die Not und Ohnmacht, der so viele Menschen in dieser Krise ausgesetzt sind.“ (Roland Stratmann)
„Das Atelier und die Welt da draußen – Corona dämmte ein … Auf einmal galt Alleinsein für alle, wie im Gegenzug verlor es im Atelier an Energie. Der sonst normale Zustand des Alleinseins im Atelier fühlte sich auf einmal komisch an. Sensible Balance.“ (Filip Zorzor)
„Das Arbeiten im Atelier? Es kostet vor allem Kraft, dieses Ohnmachts- und Lähmungsgefühl beiseite zu schieben. … Wenn das geschafft ist, ist da plötzlich das Gefühl von unglaublicher Freiheit. Die ist nicht nur schön, aber meist genieße ich sie.“ (Matthias Stuchtey)
„Ich war in der Zeit des Lockdowns sehr dankbar dafür, mein Atelier als Rückzugsort zu haben, mich dort in meine Arbeit versenken zu können …“ (Sabine Beyerle)
 
Die ungekürzten sowie weitere Statements finden Sie im Folgenden:
„Eigentlich empfinde ich die Beschränkung als wohltuend. Ich fühle mich nicht so unter Druck, alle Aufgaben auf den Punkt fertig zu bekommen, weil alles sich nach hinten verschiebt und unverhofft Zeit freisetzt. Ich schaffe es sogar im Kopf zu Experimentieren und endlich mehr zu „Spielen“. Wir als Familie rücken enger zusammen und sehen es als Glücksfall an, angstfrei auf unserem Hof diese Zeit zu durchleben. Hört sich sicherlich kitschig an, ist aber wie beschrieben und ihr seid der erste richtige Termin den ich mache seit Beginn der Pandemie.“
(Axel Anklam)

„Während der Quarantänezeit habe ich mich mit meiner Familie in die Uckermark zurückgezogen. Ich saß viel draußen im Garten an meinem Arbeitstisch und habe die Zeit als angenehm und entschleunigend empfunden, andererseits ist der Motor meiner Arbeiten auch die Begegnung von Menschen und die Kommunikation selbst. Dinge wie Menschennähe, Feste feiern erwartungsvolles Tummeln und Drängeln vor Buffets, volle Ausstellungsräume und lebendiges Treiben – all diese Dinge, die uns davor in Begeisterung versetzt haben, waren und sind plötzlich fragwürdig und eher angstbesetzt. Für mich auf jeden Fall eine Art ‚Reset-Situation‘, in der sich z. B. die Vögel im Garten um mich herum lautstark anboten, für die ist wunderbarer Frühling und Paarungszeit mit Zwitscherorgien.“
(Sonja Alhäuser)

„Seit einigen Jahren arbeite ich mit und auf Postkarten, die im Laufe der vergangenen 100 Jahre in die Welt versandt wurden. In den allermeisten Fällen kenne ich die Absender und Adressaten nicht. Und weil ich keinen persönlichen Kontakt zu ihnen habe, frage ich mich: wer waren oder sind diese Menschen, wie haben sie damals gelebt und gedacht, was machen sie heute? Jetzt, während der verordneten Kontakteinschränkungen, leben wir alle mehr oder weniger isoliert voneinander. Das verunsichert viele Menschen und wirft bei allen vergleichbare Fragen auf, auch weil das Miteinander aus der Distanz ein anderes ist als das gewohnte Leben. Für mich ist das zurückgezogene Arbeiten normal, und ich habe derzeit einen guten Workflow. Es könnte ein fast paradiesischer Zustand sein, wären da nicht das unsägliche Leid, die Not und Ohnmacht, der so viele Menschen in dieser Krise ausgesetzt sind.“
(Roland Stratmann)

„Das Atelier und die Welt da draußen – Corona dämmte ein. Für die Arbeit ist das Alleinsein im Atelier „An – treibend“. Auf einmal galt Alleinsein für alle, wie im Gegenzug verlor es im Atelier an Energie. Der sonst normale Zustand des Alleinseins im Atelier fühlte sich auf einmal komisch an. Sensible Balance.“
(Filip Zorzor)

„Das Arbeiten im Atelier? Es kostet vor allem Kraft, dieses Ohnmachts- und Lähmungsgefühl beiseite zu schieben. Das geht aber wohl allen so. Wenn das geschafft ist, ist da plötzlich das Gefühl von unglaublicher Freiheit. Die ist nicht nur schön, aber meist genieße ich sie.“
(Matthias Stuchtey)

„Ich war in der Zeit des Lockdowns sehr dankbar dafür, mein Atelier als Rückzugsort zu haben, mich dort in meine Arbeit versenken zu können. Irgendwann habe ich ganz bewusst das Radio abgeschaltet und mich auch von Informationen von außen abgegrenzt, zum räumlichen Rückzug gehörte für mich auch der innere Rückzug.“
(Sabine Beyerle)

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